Am 5. April 2012 haben die Schweiz und Deutschland die Ergänzung zum Steuerabkommen unterzeichnet. Seither kennen wir auch dessen Inhalt. Hier steht er: http://www.admin.ch/aktuell/00089/index.html?lang=de&msg-id=44063
Das Abkommen lässt uns erschauern. Es geht nicht nur um Steuern, sondern auch um ein „Finanzmarktabkommen“.
Das Abkommen ist im Vergleich zur Version vom 21. September 2011 in praktisch allen Teilen zu Ungunsten der Schweiz und der deutschen Kunden verschlechtert worden. Damit braucht es kein Abkommen mehr. Es ist für deutsche Kunden unattraktiv. Sie werden, falls das Abkommen in Kraft tritt, die Schweiz verlassen und ihr Bankgeschäft anderswo tätigen. Dafür bleibt nicht viel Zeit. Wenn der Fahrplan von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf eingehalten wird, dann bleiben den deutschen Kunden gerade einmal 8 Monate. Ab dem 1. Januar 2013 müssten die Schweizer Banken Deutschland über den Transfer der Verbindung informieren. Statt Bankgeheimnis wäre das dann Kundenverrat.
Die Publikation des Vertrags hat Erstaunliches ans Licht gebracht: Im Abkommen steht auf Seite 49 (http://www.news.admin.ch/NSBSubscriber/message/attachments/26526.pdf):
Bei grenzüberschreitender Geschäftsanbahnung sind die „in der Bundesrepublik Deutschland zu beachtenden Anleger- und Verbraucherschutzvorschriften einzuhalten“. Dazu muss die Schweizer Bank zustimmen, „dass sich die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) an Prüfungshandlungen […] durch die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA) bei Vor-Ort-Prüfungen beteiligen kann“.
Das heisst, für das Geschäft in der Schweiz gelten die deutschen Vorschriften, und die Deutschen dürften das auch gleich noch vor Ort in der Bank in der Schweiz kontrollieren.
Wenn der Fahrplan von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf eingehalten wird, dann bleibt wenig Zeit für ein Referendum. Die Frist für das Beschaffen von 50‘000 Unterschriften läuft am 23. September ab. Am 15. Juni hat das Parlament die Möglichkeit, zum Steuer- und Finanzplatzabkommen nein zu sagen. Vertrauen würde ich darauf nicht.