Griechenland: Eine Kreditausfallversicherung ist keine Versicherung
Zum meteorologischen Frühlingsanfang (1. März 2012) hat am europäischen Finanzmarkt eine neue Eiszeit begonnen. Das haben noch nicht alle gemerkt, bis in einem Jahr werden das aber die Sonnenländer Portugal, Italien und Spanien schmerzhaft erkennen.
Was ist passiert? Die Privaten, welche griechische Obligationen gekauft und sich mit einer teuren Versicherung – im Jargon „Credit Default Swap“ oder kurz CDS genannt – gegen Verluste versichert haben, müssen auf ihren griechischen Staatspapieren mehr als 50 Prozent Verluste in Kauf nehmen. Die Versicherung bezahlt nicht. Das hat der Internationale Derivateverband ISDA beschlossen. Die Europäische Zentralbank dagegen erhält auf den gleichen Papieren 100 Prozent zurück. Damit passiert einmal mehr, was in letzter Zeit in den westlichen Ländern mehr und mehr zum Normalfall wurde: Die Spielregeln werden von den Staaten laufend geändert, je nachdem, was aus kurzfristiger Sicht im Interesse der Regierungen ist.
In den kommenden Monaten werden sich die Anleger dem Spiel ohne Spielregeln anpassen. Sie werden keine Staatsobligationen von Portugal, Italien und Spanien (und wohl auch weiterer Länder) kaufen, da sie sich ja gegen Verluste nicht schützen können. Das wird für diese Staaten und deren Bevölkerung sehr schmerzhaft sein. Was wird die Politik tun? Wahrscheinlich weitere Regeln verletzen.
Was sollen wir als Schweizer tun: Keine Staatsanleihen von EU-Ländern kaufen, keine Anlagefonds kaufen, die in solche Papiere investieren, dafür sorgen, dass unsere Pensionskassen nicht in solche Staatsobligationen investieren.
Ich frage mich – und dies in wachsender Besorgnis – wie stark Pensionskassen, Lebensversicherungs-Gesellschaften und dergleichen in solche Anleihen investiert haben. Gibt es da irgendwelche konkrete Erhebungen? Sind wir sicher, dass nicht auch auf diesem Weg Schweizer Vermögen vernichtet wird?
Ich kenne die Antwort nicht, nehme aber an, dass schweizerische Banken, Versicherungen und Pensionskassen kaum in griechischen Papieren engagiert sind. Bei den anderen heiklen Ländern ist das etwas weniger sicher. Meine Meinung ist, dass man solche Engagements grundsätzlich vermeiden soll, und sich nicht mehr auf allfällige Versicherungen via CDS verlassen darf. Ganz vermeiden kann man das Risiko aber nicht, ein gewisses indirektes Risiko wird dann bleiben, wenn Schweizer Institute Geld bei Instituten angelegt haben, welche ihrerseits solche Staatspapiere besitzen.
Hans Geiger