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Grauer Brief Nr. 68, Dezember 1999
Mitteilungsblatt für die Mitglieder der AUNS

 

Inhalt

Wir trauern
Bergier Historiker-Kommission

Sicherheitspolitik / Neutralität
Zivilcourage gegen Zensur
Kosovo-Hilfe
Das Schweiz. Katastrophenhilfekorps (SKH)
UNO-Beitritt
News aus der EU
Arbeitslosigkeit
Wirtschaftstandort Schweiz
Politstandort Schweiz
Wussten Sie...?

Bürgerinnen und Bürger haben das Wort
Die AUNS ist in den nächsten Jahren besonders gefordert


Auch im Jahr 2000: Wir stehen ein für eine unabhängige, neutrale Schweiz

Der Bundesrat, die Mehrheit des neugewählten Parlaments (laut Umfrage 112 von 200 Nationalräten) und die meisten Parteien wollen die Schweiz in die EU einbinden. Von den gleichen oder ähnlichen Kreisen wird auch der Beitritt unseres Landes zur UNO und zur NATO forciert.

Diese Stossrichtung steht im Widerspruch zur Bundesverfassung und zu mehreren Volksentscheiden, bei denen sich der Souverän für die Unabhängigkeit und die Neutralität unseresLandes ausgesprochen hat (UNO 1986, EWR 1992, Blauhelme 1994). Die höchsten Güter der Schweiz – Unabhängigkeit, Selbstbestimmung, direkte Demokratie, Födera- lismus, Neutralität – sollen einer gefährlichen internationalen Betriebsamkeit und einer „kollektiven Verantwortung“ geopfert werden.

Derzeit wird vor allem der Angriff auf die Schweizerische Neutralität geführt, die sich seit Jahrhunderten als eigentliches Erfolgsmodell – als Friedens- und Sicherheitsinstrument – bewährt hat. Schweizer Soldaten sollen als moderne „Söld- ner“ im Ausland eingesetzt werden, die Schweizer Armee soll NATO-unterstellungsfähig und -unterstellungswillig gemacht werden. 

Gegen diese neutralitäts- und verfassungswidrige Vorlage (Änderung des Militärgesetzes) wird die AUNS im kommen- den Jahr den Referendumskampf führen müssen.

Um diesen und weitere Abstimmungskämpfe erfolgreich bestehen zu können, braucht die AUNS noch weit mehr als die derzeit 36'000 Mitglieder.

Deshalb unsere Bitte zum Jahreswechsel: Werben Sie bitte in Ihrem Bekannten- und Verwandtenkreis neue Mitglieder für die AUNS. Sie helfen damit die Unabhängigkeit und Neutralität der Schweiz zu wahren.

Für den bevorstehenden Jahreswechsel entbieten wir Ihnen die besten Wünsche. Wir danken Ihnen für Ihren Einsatz zugunsten einer unabhängigen, neutralen und freien Schweiz

Mit freundlichen Grüssen

Dr. Christoph Blocher, Präsident, Nationalrat

Hans Fehr, Geschäftsführer, Nationalrat

 

Wir trauern

Am 15. Dezember 1999 ist Herr Dr. Willy Futterknecht gestorben.

Mit Herrn Dr. Futterknecht verlieren wir einen Mann, welcher für die Wahrung der Unabhängigkeit und Neutralität der Schweiz ein ausserordentliches Engagement geleistet hat. Seine immense Schaffenskraft und wissenschaftliche Aufarbeitung der Fakten bildeten eine unwiderlegbares Argumentarium gegen die EWR/EU-Integration. Mit der Herausgabe des Informationsbulletins „EU-Realitäten“ orientierte Dr. Futterknecht die breite Öffentlichkeit über die Folgen eines EU-Beitritts und über die Entwicklungen in der Europäischen Union.

Die AUNS hat Herrn Dr. Futterknecht viel zu verdanken.

Wir wünschen der Trauerfamilie viel Kraft und alles Gute.

Der Vorstand und die Geschäftsstelle der Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz (AUNS

 

Bergier Historiker-Kommission

Presse-Communiqué Bern, 10.12.1999

AUNS verurteilt parteiischen und selbstgerechten Bergier-Flüchtlingsbericht. Die Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz (AUNS) distanziert sich vom einseitigen, parteiischen und selbstgerechten Bergier-Bericht, in welchem sich linke Historiker und Experten aus dem In- und Ausland anmassen, aus heutiger Sicht über die damalige Schweiz und die verantwortlichen Behörden zu Gericht zu sitzen.

Obwohl die seit dem Ludwig-Bericht (1957) bekannten Fakten keine Korrekturen erfahren, nehmen die Verfasser des Berichts in Überschreitung ihres wissenschaftlichen Auftrages unhaltbare Schuldzuweisungen an die damalige Staatsführung vor. Sie kritisieren, dass die schweizerischen Entscheidungsträger der Wahrung der Unabhängigkeit und der wirtschaftlichen Stabilität unseres Landes erste Priorität eingeräumt haben.

Der Bericht verkennt, dass die verantwortlichen Behörden und das ganze Schweizer Volk unter schwierigsten Um- ständen eine hervorragende Gesamtleistung erbracht haben. Sie haben damit unser Land und seine Bevölkerung -
darunter gegen 300'000 Internierte und Flüchtlinge - vor den Schrecken des Krieges und der Besetzung, vor Tod, Hunger und Elend bewahrt.

Der Bericht unterschlägt, dass die Schweiz damals mehr jüdische Flüchtlinge aufgenommen hat als jedes andere Land. Dass unser Land damals auch Fehler begangen hat, ist weder neu noch Anlass für weitere Verurteilungen, schon gar nicht von Historikern, welche eine andere Aufgabe haben, nämlich die Geschichtsschreibung.

Die AUNS fordert den Bundesrat auf, den parteiischen und selbstgerechten Bergier-Bericht, welcher der damaligen äusserst schwierigen Situation nicht gerecht wird, zurückzuweisen und auf erneute Entschuldigungen zu verzichten

 

Sicherheitspolitik / Neutralität

Ja zur bewaffneten Neutralität – Nein zu Schweizer Soldaten im Ausland

Der AUNS wird das Referendum aufgedrängt

Der Bundesrat hat am 27. Oktober 1999 die Botschaft zu einer Änderung des Bundesgesetzes über die Armee und die Militärverwaltung verabschiedet. Die Botschaft beinhaltet zwei Gesetzesentwürfe:

Entwurf “A” über die Ausbildungszusammenarbeit mit dem Ausland

Entwurf “B” über die Bewaffnung von Schweizer Truppen im Auslandeinsatz

Absicht der Revision

Mit der Revision will der Bundesrat einen ersten Schritt zur konkreten Umsetzung der im sicherheitspolitischen Bericht 2000 formulierten Strategie "Sicherheit durch Kooperation" verwirklichen. Der Bundesrat will die Zusammenarbeit mit dem Ausland im Ausbildungsbereich festigen und ausbauen.

Für den sogenannten „Friedensförderungsdienst“ im Ausland soll die Schweiz der UNO und der OSZE bewaffnete Truppen zur Verfügung stellen. Die Bewaffnung wird durch den Bundesrat festgelegt. Sie soll dem Selbstschutz und der Auftragserfüllung genügen, was zur Folge hat, dass auch schwere Waffen (Kampfschützenpanzer, Flab, Artillerie usw.) zum Einsatz gelangen können.

Der Gesetzesentwurf:

Art. 66Voraussetzungen

1 Einsätze zur Friedensförderung können auf der Grundlage eines UNO- oder OSZE-Mandates oder mit Zustimmung der betroffenen Staaten angeordnet werden. Sie müssen den Grundsätzen der schweizerischen Aussen- und Sicherheitspolitik entsprechen.

2 Friedensförderungsdienst wird von Personen oder schweizerischen Truppen geleistet, die eigens dafür ausgebildet sind.

3 Die Anmeldung für die Teilnahme an einer friedensunterstützenden Operation ist freiwillig.

Art. 66a   Bewaffnung

Der Bundesrat bestimmt im Einzelfall die Bewaffnung, die für den Schutz der eingesetzten Personen und Truppen sowie für die Erfüllung des Auftrages erforderlich ist.

Der heute geltende Artikel 66 des Militärgesetzes, welcher ersetzt werden soll – mit folgenschweren Konsequenzen für unsere Neutralität und Sicherheit:

1 Friedensförderungsdienst leisten Personen oder eigens dafür gebildete, unbewaffnete schweizerische Truppen bei friedenserhaltenden Operationen im internationalen Rahmen.

2 Die Anmeldung für die Teilnahme an einer friedenserhaltenden Operation ist freiwillig.

3 Der Bundesrat kann einzelnen Personen zum Selbstschutz den Waffengebrauch bewilligen.


Referendum gegen das neutralitätswidrige Vorhaben beschlossen

Die Mitgliederversammlung vom 7. Mai 1999 hat beschlossen, gegen jede rechtliche Grundlage, welche das Entsenden von Schweizer Soldaten ins Ausland zulässt, zu bekämpfen. Dieser Fall ist nun eingetreten.

Der Bundesrat will die Vorlage mit hohem Tempo durch die Räte peitschen. Sofern das Parlament der Vorlage zustimmt, müssen wir die Unterschriftensammlung im Laufe des Jahres 2000 durchführen.

Dieses neutralitätswidrige Vorhaben muss von der AUNS wiederum gegen den Widerstand der gesamten classe politique bekämpft werden:

  • Wir sagen nein zur Verschleuderung von Steuergeldern für eine unsinnige Alibi-Übung und für gefährliche Spie-
    lereien mit der schweizerischen Neutralität.
  • Wir sagen nein zu einem falschen Konzept, das zivile humanitäre Hilfe (Schweizerisches Katastrophenhilfe,
    Rotes Kreuz, Hilfswerke) mit militärischer Intervention vermischt und damit die Neutralität der Schweiz unglaub-
    würdig macht.
  • Wir sagen nein zur Preisgabe unserer immerwährenden, bewaffneten Neutralität, die sich - als schweizerisches
    Erfolgsmodell - seit Jahrhunderten als Sicherheits- und Friedensinstrument bewährt hat: Wir dulden keine Ge-
    fährdung unserer Sicherheit.
  • Wir wollen nicht mit Soldaten „zum Konflikt gehen“- sonst kommt der Konflikt zu uns“!
  • Wir wollen nicht Marionetten der Grossmächte werden!
  • Die neutrale Schweiz muss das machen, was andere nicht tun: Konzentration und Verstärkung der zivilen hu-
    manitären Hilfe, u.a. durch Ausbau des Schweizerischen Katastrophenhilfekors (SKH) und Intensivierung der
    Diplomatie.


Der Kampf gegen die neutralitätswidrigen Pläne wird unsere ganze Kraft benötigen, weil das Verteidigungsdepartement VBS ungeniert Truppenkurse und Rapporte der Grossen Verbände missbraucht, um für den militärischen Internatio- nalismus Propaganda zu machen. Anfang Dezember verschickte das VBS an alle Unteroffiziere und Offiziere der Armee eine Zeitung, deren Inhalt nichts anderes bezweckt, als die Abstimmung über die Teilrevision des Militärgesetzes zu beeinflussen.

 

Zivilcourage gegen Zensur

Im letzten Grauen Brief haben wir berichtet, dass die Allgemeine Schweizerische Militärzeitung ASMZ, das Organ der Schweizerischen Offiziersgesellschaft, die Publikation eines AUNS-Inserates abgelehnt hatte. Das Inserate wollte auf die Problematik des militärischen Kosovo-Engagements der Schweiz aufmerksam machen. Stellvertretend für viele unterstützende Schreiben halten wir die Reaktion von Herrn Stadelmann fest:

Abbestellung ASMZ

Sehr geehrter Herr Ott

Wie ich den AUNS-Mitteilungen Nr. 67 entnehme, hat sich die Redaktion der ASMZ geweigert, das Inserat der AUNS betreffend „Schweizer Soldaten haben im Ausland nichts zu suchen!“ aufzunehmen. Als Schweizer und als Mitglied der AUNS kann ich derartige Zensur und die Haltung, die dahintersteckt, nicht akzeptieren:

Ich bitte Sie, mein Abonnement der ASMZ, zu streichen. Falls das Abonnement unabdingbar mit der Mitgliedschaft bei der Schweizerischen Offiziersgesellschaft (SOG) verbunden ist, werde ich dort den Austritt erklären und den Jahresbeitrag künftig zusätzlich der AUNS überweisen.

Mit freundlichen Grüssen

Robert Stadelmann, Luzern

 

Die Schweiz hat für die Kosovo-Hilfe in diesem Jahr 110 Millionen  Franken bereitgestellt
[Basler Zeitung, 15.11.99]

„Der Sonderfall ist tot, wenn Solidarität gefragt ist.“ stellte Bundesrat Ogi nach dem Besuch der SWISSCOY im Kosovo fest. [Tages-Anzeiger 4.12.99]

Was meint der Bundespräsident 2000 mit Sonderfall? Die bewaffnete Neutralität der Schweiz? Die humanitäre zivile Hilfe der Schweiz? Oder dass gültige Bundesgesetze nach Belieben ausgelegt und überinterpretiert werden dürfen? Dass man dem Volk sagt, der Kosovo-Einsatz sei unbewaffnet, aber in Tat und Wahrheit die 50 Sturmgewehre jeden Tag 
auf Mann bzw. Frau sind?

NB: Kaum war das Swisscoy-Detachement im Kosovo, reiste der Generalstabschef zwei Mal auf den Balkan, der Chef Heer und der Chef VBS taten es im gleich. Selbstverständlich jedes Mal begleitet von einem Begleittross und unzähligen Journalisten. Die Kosten für diese Reise hätten für die Elendsminderung eingesetzt werden können...

 

Das Schweizerische Katastrophenhilfekorps (SKH)

Die neutrale Schweiz muss zivile humanitäre Hilfe leisten. Das Schweizerische Katastrophenhilfekorps ist ein äusserst geeignetes Mittel dafür. Während der 13-monatige Swisscoy-Einsatz über 54 Millionen Franken kostet, stehen dem SKH in der aktuellen 4-Jahres-Planung im Durchschnitt jährlich lediglich 27 Millionen Franken zur Verfügung. Es ist bereits jetzt von NATO-Seite her klar, dass die KFOR während Jahren im Kosovo engagiert bleibt. Es ist damit zu rechnen, dass Bundesrat und Parlament weitere Nachtragskredite für die Soldaten im Kosovo sprechen werden.


Der Auftrag des Schweizerischen Katastrophenhilfekorps

Charles SteckDer Auftrag des SKH ist im Bundesgesetz über die internationale Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe von 1976 sowie in der Verordnung über das SKH von 1988 umschrieben. Der Wortlaut des Gesetzes: „Die humanitäre Hilfe soll mit Vorbeugungs- und Nothilfemassnahmen zur Erhaltung gefährdeten menschlichen Lebens sowie zur Linderung von Leiden beitragen. " Der Auftrag der SKH ist im Bundesgesetz über die internationale Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe von 1976 sowie in der Verordnung über das SKH von 1988 umschrieben. Der Wortlaut des Gesetzes: „Die humanitäre Hilfe soll mit Vorbeugungs- und Nothilfemassnahmen zur Erhaltung gefährdeten menschlichen Lebens sowie zur Linderung von Leiden beitragen; sie ist namentlich für die von Naturkatastrophen oder bewaffneten Konflikten heimgesuchte Bevölkerung bestimmt.“ Die Verordnung über das SKH besagt: „Das Korps ist das Instrument der operationellen Humanitären Hilfe des Bundes im Ausland. Es führt Rettungsaktionen durch, leistet Überlebens-, Wiederaufbau- und Infrastrukturhilfe und befasst sich mit Aufgaben der Katastrophenvorsorge.“

  • In den letzten Jahren haben die Ereignisse den Auftrag erweitert. Die humanitäre Hilfe kommt unter anderem zum
    Einsatz bei bzw. nach:
  • Naturkatastrophen: Erdbeben, Vulkanausbrüche, Überschwemmungen, Dürren, Kältewellen, Wirbelstürme, Hang-
    instabilitäten usw.
  • Zivilisationskatastrophen: Dammbrüche, nukleare Störfälle, Chemiekatastrophen usw.
  • durch bewaffnete Konflikte verursachte Katastrophen: Kriege
  • durch strukturelle Mängel verursachte Katastrophen bzw. Krisen


136 SKH-Angehörige im weltweiten Einsatz
(Stand: 1.12.99)

Derzeit leisten 136 Angehörige des SKH Einsätze in 23 Ländern. Das grösste Kontingent ist  mit 66 SKH-Angehörigen (49%) in der Krisenregion Ex-Jugoslawien tätig (BR Jugoslawien  inkl. Kosovo, Albanien, Mazedonien, Bosnien- Herzegowina). Es folgen die Katastrophengebiete Lateinamerikas (Kolumbien, Honduras, Nicaragua) mit 10 SKH- Mitgliedern, die afrikanischen Krisenregionen Äthiopien/Eritrea mit 7 sowie Angola/Kongo und Ruanda/ Tansania
mit je 6 SKH-Mitgliedern. Im Feld werden die Korpsangehörigen von Hunderten von einheimischen Helfern unterstützt.

In den ersten elf Monaten dieses Jahres wurden insgesamt 331 Korpsangehörige eingesetzt  (Einsätze der Rettungs- kette Schweiz in der Türkei [zweimal], Griechenland und Taiwan nicht  eingerechnet). Diese Zahl liegt bereits um ein Fünftel über jener für das gesamte Jahr 1998,  als total 278 Einsätze verzeichnet wurden. Dies bedeutete einen neuen Rekord in 25jährigen  SKH-Geschichte.

Werden in diesem Jahr die vier Einsätze der Rettungskette, die Einsätze von VBS-Angehörigen, die das SKH unter- stützten, sowie von SKH-Angehörigen, welche temporär die Zentrale verstärkten, mitgerechnet, so wurden nicht weniger als 575 Einsätze verzeichnet.

Das SKH umfasst rund 1500 Angehörige als Freiwillige. Davon sind etwa 500 kurzfristig für Einsätze disponibel, und zwar weltweit dort, wo es gilt mitzuhelfen, nach Katastrophen, Krisen  und Konflikten Menschenleben zu retten und die Not zu lindern. Die übrigen Korpsangehörigen  sind der Reserve oder der Gruppe Ehemaliger zugeteilt. Kandidatinnen und Kandidaten, die  dem SKH beitreten wollen, müssen hohe Anforderungen erfüllen. Gefragt sind "humanitäre Manager".

Das SKH ist der operationelle Teil der Humanitären Hilfe des Bundes. Die Korpsangehörigen  im Auslandeinsatz sind konkreter Ausdruck des helvetischen Solidaritätsgedankens. Sie werden zumeist in direkten Aktionen der Humanitären Hilfe des Bundes eingesetzt. Ausserdem arbeiten sie auch für internationale humanitäre Partnerorganisationen (IKRK, UN-Organisationen usw.), in deren Programmen sie in der Regel in Schlüsselpositionen eingesetzt werden.

Das SKH ist in den Bereichen Prävention, Rettung Überleben und Wiederaufbau tätig. Es kommt ausschliesslich im Ausland zum Einsatz.

Ein klares sicherheits- und aussenpolitisches Konzept

Statt für den fragwürdigen, neutralitätswidrigen Kosovo-Einsatz bis Ende 2000 mindestens 54 Millionen Steuerfranken zu verschleudern, wäre es sinnvoller, das Schweizerische Katastrophenhilfekorps auszubauen. Das wäre ein klares Konzept für den neutralen Kleinstaat Schweiz:

Die Armee bleibt im eigenen Land (Landesverteidigung, Unterstützung der zivilen Behörden in ausserordentlichen Lagen)

Die humanitäre Hilfe in ausländischen Konfliktgebieten ist Sache der zivilen Organisationen  (Schweizerische Katastro- phenhilfe, Rotes Kreuz, Hilfswerke).

 

UNO-Beitritt

Viel Geld, wenig Hirn: Die UNO ist auf dem Rückzug

Von André Glucksmann, französischer Philosoph

Das Entsetzliche war vorhersehbar, es wurde erwartet, ja es war sogar angekündigt worden. Dann geschah es. Nach der Katastrophe tauchten die Blauhelme auf. Zu spät, um den Sieg  von Recht und Gesetz glaubhaft zu machen. Sie kamen nämlich erst zu den Bestattungsfeierlichkeiten.

Die Vereinten Nationen haben die Timoresen in einen Hinterhalt getrieben: Sie schlugen ein freies Referendum vor, die Timoresen stimmen unter UN-Aufsicht ab, um anschliessend den Milizen ans Messer geliefert zu werden. Nun droht Kofi Annan den Verantwortlichen mit einem Verfahren vor einem internationalen Strafgericht. Ebenso gut könnte er sich selbst der Vortäuschung falscher Tatsachen und der unterlassenen Hilfeleistung in einem Fall von ethnischer Säuberung bezichtigen.

Dies umso mehr, als es sich bei Annan um einen Wiederholungstäter handelt. Im Januar 1994 verlangte General Dallaire, der in Ruanda die UN-Truppen führte, 5000 Männer, um eine Million Menschenleben zu retten. Doch Kofi Annan stellte sich taub. Am 7. April 1994 begann der Terror, und die UNO beschloss, sich zurückzuziehen. Die Schlachterei dauerte drei Monate und überstieg an Grausamkeit alles bisher Dagewesene. Die internationalen Institutionen wandten sich ab.

Tatsächlich geht es hier nicht um Personen, sondern um Institutionen. Frankreich und Belgien haben in der Angelegen- heit ihre Verantwortlichkeit (halbherzig) geprüft. Clinton bat um Verzeihung. Unterdessen beging die UNO den 50. Jah- restag ihres Wirkens „im Dienste der Menschheit und der Menschlichkeit“. Was sie nicht daran hindert, diejenigen zu schädigen, die sie zu schützen vorgibt.


Von schlechtem Gewissen fehlt jede Spur

Sollte die Fähigkeit zur Reform und zur Umsicht tatsächlich umgekehrt proportional zur Grösse des Apparates sein? Die UNO, das sind 180 Nationen, viel Geld, eine aufgeblasene Bürokratie, konsensuelle Floskeln und ein viel zu kleines Hirn.

Wer „dringender Handlungsbedarf“ sagt, gibt damit den Vereinten Nationen das Signal zum sofortigen Rückzug. Die Roten Khmer verüben einen Völkermord in Kambodscha; zehn Jahre später sitzen die Völkermörder noch immer unbehelligt in ihrem Glashaus. In Kabul werden Frauen gesteinigt, und prompt evakuiert die UNO ihre Mitarbeiter. In Jugoslawien trugen die Vereinten Nationen dazu bei, die Legitimität von Misloševic zu stützen. Die „Schutzzone“ 
Srebrenica war ein Schlachthaus der Zivilbevölkerung. Letzte Anweisung von Richard Holbrooke an Bernard Kouchner, der den Wiederaufbau im Kosovo leitet: „Don’t ask for it, just do it!“ Bitten Sie bloss nicht die UNO um Erlaubnis, tun Sie es einfach.

Die Vereinten Nationen verdanken ihre Existenz den Illusionen, die sich Roosevelt über Stalins gute Absichten machte. Während des Kalten Krieges war die UNO zweifellos sehr nützlich. Sie garantierte das Gleichgewicht zwischen den beiden Supermächten, indem sie die eine dazu gebrauchte, die andere zu blockieren. Das Vetorecht im Sicherheitsrat diente der Erhaltung dieser stabilen Instabilität. Dieses Vetorecht ist aber heute ein Alibi zynischer Grossmächte geworden, es lähmt humanitäre Einsätze: „In Manhattan steht die Ampel auf Rot, wir sehen dem Massaker zu und vergiessen eine Träne.“

Am Vorabend des Ersten Weltkrieges hatte sich Robert Musil vorgestellt, dass die Wiener Intelligenzija einen Plan für einen Hundertjährigen Frieden entwerfen würde, den der Schriftsteller „Gleichzeitige Aktion“ taufte. Es ging um ein harmlos wirkendes Monster, das „im Interesse der Allgemeinheit“ gleichzeitig das Gute und Böse tun sollte. Wie heute die Vereinten Nationen. Fallen ein paar verfolgte oder verschleppte Nonnen oder Kinder gegenüber zehn Milliarden Menschen ins Gewicht, für deren Wohl die UNO im dritten Jahrtausend sorgen wird? Wohlmeinende Zeitgenossen, die sich auf die Vereinten Nationen verlassen, sei gesagt: Die UNO weiss Bescheid, die UNO schweigt, die UNO zieht sich aus der Affäre. Manche zahlen mit ihrem Leben für das, was wir auf kostspielige Weise erhalten: ein Monument der Vergangenheit.

[Die Zeit, D, 19.11.99]


Untersuchungskommission: UNO mitverantwortlich für Genozid

Eine vom UNO-Generalsekretär Annan eingesetzte Untersuchungskommission kommt zum Ergebnis, dass die UNO und insbesondere der Sicherheitsrat mitverantwortlich für den Völkermord in Ruanda ist, welchem rund 800'000 Tutsi und gemässigte Hutu ermordert worden sind. Die Untersuchung belegt, dass der Sicherheitsrat von den Plänen der Massa- ker wusste. Klare Warnungen von UNO-Beauftragten wurden ignoriert. Die Regierung von Ruanda erklärte, man fühle sich von der UNO betrogen. [Tages-Anzeiger ONLINE 17.12.99]

"Wir brauchen keine Mitgliedschaft bei der politischen UNO der Grossmächte, um mit Steuergeldern den Konferenz- tourismus zu fördern. Wir investieren das Geld in Hilfe vor Ort. Behalten wir den „untypischen“ Status bzw. den Sonderfall: Er ermöglicht eine ehrliche Solidarität und bewahrt uns die Handlungsfreiheit. Nicht zuletzt zugunsten der Elendsminderung auf der Welt."

 

News aus der EU

EU-Erweiterung

Der EU-Gipfel von Helsinki hat beschlossen, mit Rumänien, der Slowakei, Lettland, Litauen, Bulgarien und Malta Beitrittsverhandlungen aufzunehmen. Die Türkei wird in den Kreis der Beitrittskandidaten aufgenommen, indem ihr eine Heranführungsstrategie zugute kommen soll. Mit Ungarn, Polen, Tschechien, Zypern, Slowenien und Estland erhöht sich nun die Zahl der beitrittswilligen Staaten auf dreizehn.

Kommentare zum „Erweiterungs-Beschluss von Helsinki“:

Die deutsche Frankfurter Allgemeine:
„Über die Folgen des kurzsichtigen Beschlusses von Helsinki muss man nicht lange rätseln. Schon hat die Ukraine ihr Interesse an einem Beitritt zur EU bekundet. Mit welchen Gründen wollen Schröder und Chirac, Blair und Prodi morgen den Wunsch von Kiew und übermorgen von Minsk als deutliche Überforderung der EU zurückweisen?“

Die französische La Tribune:
„So macht Europa also weiter Platz. Doch wenn man sich heute seine Unfähigkeit anschaut, bei fundamentalen Aspekten dessen voranzukommen, was eine Union ausmacht, dann darf man beim Aufbau von 27 Staaten skeptisch sein, da es ja schon mit 15 kaum vorankommt.“

Der deutsche Fränkische Tag:
„Dennoch wird die EU nicht umhin kommen, sich rechtzeitig und selbstkritisch mit ihrer Identität zu befassen. Die entscheidende Frage: Wie soll eine Union mit 30 Mitgliedern funktionieren und wofür wird sie dann stehen? Wird sie zurückfallen in einen Club der Freihändler? Oder wird sie, wenn ganz Europa drin ist, eine Art Mini-UNO, mit einem informellen Sicherheitsrat aus Deutschen, Briten, Franzosen? Das zuletzt genannte Szenario würde natürlich heftig dementiert. Aber es ist nicht unrealistisch.“ [13.12.99]

Das deutsche Oberbadische Volksblatt:
„Gilt der Politik schon als Erfolg, wenn es gelingt, ein Fiasko zu vermeiden? So gesehen, könnten die Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten den Ausgang ihres Gipfels in Helsinki tatsächlich als einen weiteren Weg zur europäischen Einigung feiern. Wobei schon beim Begriff Einigung die Feder stockt. [...] Im Grunde war Helsinki kein Erweiterungs-, sondern nahezu ausschliesslich ein Türkei-Gipfel. [...] Schon die Aufnahme der insgesamt zwölf zusätzlichen Bewerberländer wird ohne Zweifel den ursprünglichen Charakter der EU verändern. Vor der Türe der EU sehen nämlich Länder, die sich in ihren Mentalitäten und von ihrer Geschichte her teilweise deutlich von Mitteleuropa unterscheiden. [...] Und was wird aus der so viel beschworenen Wertegemeinschaft? Stellt man sich in Sofia und Bukarest darunter wirklich dasselbe vor wie in Berlin, Paris oder Stockholm?“ [13.12.99]


EU-Reform: die Kleinen werden weiter Mitsprache abgeben müssen

Die Verschwendung und Betrügereien im EU-Haushalt, die Währungsunion, die Erweiterung um 13 Staaten und der Drang, weltpolitisch auch militärisch eine entscheidende Rolle zu spielen, setzen die EU-Kommission unter Druck, die Institutionen zu reformieren. Bis anhin verschleppte sich dieser Prozess, weil unter den gegenwärtigen 15 EU-Staaten keine Einstimmigkeit über konkrete Schritt bestehen. Unter dem Strich wird aber eine sogenannte Reform in Richtung mehr Zentralismus, mehr Kompetenz bei der Kommission und noch mehr Souveränitätsverzicht der einzelnen Staaten führen.

Die Kommission veröffentlichte erste Vorschläge:

Beschlüsse sollen im EU-Ministerrat zukünftig mit Stimmenmehrheit gefasst werden. Das bestehende Einstimmig- keitsprinzip soll abgeschafft werden.

Das Mehrheitsprinzip soll demnach auch in den heiklen Bereichen Innen-, Rechts- und Steuerpolitik gelten.

Im Ministerrat will die Kommission eine neue Stimmenverteilung (heute: D 10, F 10, GB 10, I 10, E 8, B 5, GR 5, NL 5, P 5, A 4, S 4, DK 3, SU 3, IR 3, L 2).  Bei einer Unions-Erweiterung könnte sonst unter Beibehaltung der aktuellen Stimmengewichtung eine Gruppe von Staaten, welche weniger als 50 Prozent der Bevölkerung umfassen, Entscheide fällen.

Auch die Zusammensetzung der eigentlichen EU-Exekutive, der Kommission, wird in Frage gestellt. Heute ist jedes EU-Mitglied mit je 1 Kommissar vertreten. Wenn die vorgesehene Erweiterung um 13 Staaten Wirklichkeit werden sollte, wäre ein 28-köpfiges Gremium kaum handlungsfähig. Diese folgenschwere Frage wird wohlweislich noch ausgeklammert.

Das EU-Parlament soll aufgewertet werden, indem es zusätzliche Kompetenzen erhält. [Basler Zeitung, 11.11.99]

Zusammenfassung:

  • Die kleinen Länder würden massiv an Einfluss verlieren; das Mehrheitsprinzip gefährdet länderspezifische Inter-
    essen (für die Schweiz: Verkehr,  Personenfreizügigkeit, Steuer- und Handelspolitik sowie Frage der inneren und
    äusseren Sicherheit)
  • Eine EU-Schweiz hätte nicht einmal die Gewissheit, in der EU-Kommission vertreten zu sein.
  • Die Aufwertung des EU-Parlaments ist keine Kompensation des Souveränitätsverlustes, weil dieses den Interes-
    sen der Union und nicht den nationalen Interessen zu dienen hat.
  • Fazit: Die Souveränitätseinbussen wäre für die Schweiz gravierend. EU-Beitritt: Nein!

EU-Recht im Dienste der europäischen Einheit...

Geschwindigkeitsbegrenzungschilder mit dem Zusatz „km“ sind nach EU-Recht ungültig (z.B. Geschwindigkeitslimit „100 km“). In Deutschland hätten solche Schilder bis 31.12.98 ersetzt werden müssen. Es droht nun eine Prozess- lawine, weil Temposünder gegen verhängte Bussen mit der Begründung Einspruch einlegen, sie seinen an ungültigen Schildern geblitzt worden... [Spiegel ONLINE 47/99]

Oh du seliges Europa...


Familiennachzug in der EU für Ausländer

Die EU-Kommission schlägt in einem Richtlinienentwurf vor, einheitliche Rechtsgrundlagen für die Gewährung des Familiennachzugs zu schaffen. Nutzniesser wären alle Nicht-EU-Bürger, die sich legal in einem der Mitgliedstaaten aufhalten. Wer sich während einem bestimmten Zeitraum in einem EU-Staat aufhalte, soll Anspruch auf Wohnsitz- nahme, auf Bildung, auf Ausübung einer Arbeit erhalten. Dies sei Voraussetzung für die Integration der Ausländer. Wer in der EU als nicht EU-Bürger arbeitet oder studiert oder über eine mindestens ein Jahr gültige Aufenthaltsbewilligung verfügt, hat das Recht auf Familiennachzug. Unter die Richtlinie fallen auch anerkannte Flüchtlinge. Wer rechtmässig nachzieht, hat wiederum Recht auf Bildung und Beschäftigung und Anspruch auf eine autonome Aufenthaltsbewilligung.

NB: Bei polygamen Verhältnissen dürfen nur eine Frau und deren Kinder nachgezogen werden...
[Neue Zürcher Zeitung, 2.12.99]

Diese Richtlinie hebt faktisch die nationalen Einwanderungsregelungen auf – ein weiterer massiver Souveränitätsverzicht. Allein diese Richtlinie wäre für die Schweiz schlichtweg inakzeptabel.


Österreich fällt weiter ab

„Österreich wird in zwei Jahren das mit Abstand höchste Defizit aller EU-Länder haben, langsamer wachsen als der EU-Schnitt und auf einem unverändert hohen Schuldenberg sitzen, heisst es in der Herbstprognose der EU-Kommission.

Es scheint, dass entgegen den Versprechungen von EU-Befürwortern die EU-Mitgliedschaft nicht positive Wirtschafts- daten garantieren kann.


Europäischer Gerichtshof wird über Brennermaut entscheiden

Die EU-Kommission hat im Juni 1998 Österreich beim EuGH angeklagt, es erhebe auf der Brenner-Autobahn eine zu hohe Gebühr (Maut), die ausländische Lastwagen diskriminiere. Der Gerichtshof muss nun die Argumente der Kommission und Österreichs abwägen. Der Generalanwalt des EuGH wird am 10.2.2000 Stellung beziehen. Anschlies- send wird das Gericht urteilen. [Vorarlberger Nachrichten, 2.12.99]

Ist das die von unseren EU-Befürwortern gepriesene Mitsprache und Mitentscheidung? Ist es ein Gewinn an Souve- ränität, wenn abschliessend eine Gerichtsinstanz über politische Entscheide eines Landes richtet? Die fremden Richter lassen grüssen!


Milliardenschwere Schlampereien

Immer wieder belehren uns EU-Befürworter, Korruption und Verschwendung von Geldmitteln seien in der EU gar nicht so schlimm und die AUNS habe eben keine Ahnung vom Funktionieren der EU, und überhaupt verstehe sich nichts von Ökonomie. Wir nehmen dies zur Kenntnis und zitieren zum Thema wiederum einige ausländische Pressestimmen:

  • „Milliardenverschwendung in der EU. EU-Rechnungshof kritisiert massiv die Brüsseler Verwaltung.“
    [Süddeutsche Zeitung, 8.11.99]
  • „Die Verwaltung führe Schattenhaushalte und unterschätzt ihre Schulden. So ist beispielsweise ein Betrag von
    rund 30 Milliarden DM für künftige Pensionszahlungen an EU-Beamte im Gemeinschaftsshaushalt nicht vermerkt.“
    [Süddeutsche Zeitung, 8.11.99]
  • „Nach Angaben des EU-Rechnungshofs gehen in der EU jährlich rund fünf Milliarden DM durch Agrarbetrug verlo-
    ren [Süddeutsche Zeitung, 8.11.99]
  • „Rund ein Drittel aller Zahlungen der Brüsseler Verwaltung im Bereich Forschung und Entwicklung ist mit Irrtü-
    mern behaftet.“ [Süddeutsche Zeitung, 8.11.99]
  • „Milliardenschwere Schlampereinen“ [Welt am Sonntag, 8.11.99]
  • „Europa: Tatort eines Krimis“ [Der Spiegel, 45/1999]
  • „1998 ist die Kommission Verpflichtungen in Höhe von rund 836,3 Millionen Franken ohne Ermächtigung einge-
    gangen. Die Legalität mancher Auszahlung ist in Frage gestellt.“ [Der Spiegel, 45/1999]
  • „Selbst die eigenen Wirkungslosigkeit haben die Prüfer untersucht. Ihren Recherchen zufolge kümmert sich die
    Kommission kaum um jene Schweinereien, die der Rechnungshof in früheren Jahren aufgedeckt hat.“
    [Der Spiegel, 45/1999]
  • „Viele der Ausgaben bei den eigenen Programmen der Kommission mit einem Gesamtbudget von rund 7,7 Milliar-
    den Franken waren irregulär, unbegründet, aufgeblasen. [Der Spiegel, 45/1999]
  • „Mit ihrem 131 Milliarden Franken teuren Haushalt bedient die EU-Kommission vor allem Lobby- und Interessen-
    gruppen. Berauscht vom Gefühl der eigenen Bedeutung kümmert sich keiner der Kommissare mit wirklichem
    Nachdruck um die verschlungenen Pfade des Geldes.“ [Der Spiegel, 45/1999]
  • „Der Rechnungshof mahnt die Politiker, die derzeit am liebsten über eine Ost-Erweiterung nachdenken, dieses
    Projekt zu überdenken – oder energische Reformen einzuleiten: Die Herausforderungen der Ost-Erweiterung sei-
    en sonst nicht zu bewältigen. [Der Spiegel, 45/1999]


EU-Parlamentarier Bösch: „Diese Agrarpolitik gehört weg“

Vor der Erweiterung und neuen Förderungen sollte zuerst ein Kassensturz gemacht werden

Einen ungeheuerlichen Umgang mit Steuergeldern hat der Europäische Rechnungshof zu Tage gefördert. So sollen allein durch Agrarbetrug umgerechnet 35,2 Milliarden Schilling verschwinden. Den Bregenzer EU-Abgeordneten Herbert Bösch (SPÖ) überrascht diese Zahl nicht. Er fordert einen Kassensturz.

Bevor die EU-Kommission über eine Erweiterung der Gemeinschaft und neue Förderungen nachdenke, sei es hoch an der Zeit, dass diese erst einmal ihre Hausaufgaben, sprich einen Kassensturz mache und alles in Ordnung bringe. „Wir müssen da Ordnung hineinbringen“, ist Bösch überzeugt.

Dass beim Geld einiges in der EU schief läuft, hat laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ wieder der Europäische Rechnungshof zu Tage gefördert. In seinem jüngsten Jahresbericht soll er das Finanzgebaren der EU-Kommission scharf gerügt haben. Jährlich gingen rund 35,2 Milliarden Schilling durch Agrarbetrug verloren. Zudem kämen noch Verluste in Höhe von 15 Milliarden Schilling durch Zollbetrug. [zit. Vorarlberger Nachrichten, 8. Novem-
ber 1999]

Dringende Buchempfehlung

Unbestechlich für Europa

Ein kleiner Beamter bei der EU in Brüssel beschliesst, die Betrügereien in der EU-Kommission ans Licht zu bringen. Sein Vorgehen verursacht einen öffentlichen Skandal und lässt den 42jährigen Niederländer zu einer politischen Bedrohung für viele werden. Paul van Buitenen, für viele eine Symbolfigur für Demokratisierung und Transparenz in Europa, erzählt seine  Story.

Paul van Buitenen, Unbestechlich für Europa, Brunnen Verlag Basel und Giessen, ISBN  3-7655-5862-1, 288 Seiten, CHF 34.80

Misstöne bei der Einweihung des neuen EU-Parlamentgebäudes

Am 14. Dezember 1999 haben die 626 EU-Parlamentarier in Strassburg ihr neues Gebäude feierlich eingeweiht. Als der französische Staatspräsident Chirac seine Rede begann, verliessen die britischen Konservativen aus Protest gegen Frankreichs Rindfleischimport-Verbot (BSE-Streit) den Festakt... Der futuristische Palast aus Glas und Stahl kostete 700 Millionen Franken. [Neue Zürcher Zeitung, 15.12.99]

  • Parlamentarier aus Grossbritannien, Italien, Portugal, Schweden und den Niederlande haben vor kurzem in einer
    Resolution Strassburg als Sitz des EU-Parlaments in Frage gestellt. Bemängelt werden u.a. die hohen Kosten
    für die Umzüge und Reisen zwischen Brüssel und Strassburg.
  • Obwohl im Strassburger Palais de l’Europe 1992 ein internationales High-Tech-Pressezentrum gebaut wurde,
    hat auch das neue Louise Weiss-Gebäude (Alterspräsidentin des EU-Parlaments) ein aufwendiges Pressezen-
    trum erhalten. Es wird kritisiert, zwei Zentren seien völlig überflüssig...


EU: Mehr Waren und Dienstleistungen importiert als exportiert

Im 3. Quartal verzeichnet die EU ein Leistungsbilanzdefizit von rund 1,6 Milliarden Franken gegenüber Drittländern. [Vorarlberger Nachrichten, 9.12.99] Die Handelsbilanz der 15 EU-Staaten hat sich binnen Jahresfrist deutlich verschlech- tert. Im September überstiegen die Einfuhren die Exporte um rund 5,1 Milliarden Franken. [Vorarlberger Nachrichten 30.11.99]


Grossbritannien auf Frontalkurs

Der Widerstand Grossbritanniens zeigt, wie der EU-Zentralismus unter dem Deckmantel Binnenmarkt alles vereinheitlichen will.

  • Grossbritannien hat sich erfolgreich gegen das EU-Massnahmenpaket zur Bekämpfung des schädlichen Steuer-
    wettbewerbs gewehrt. London will die Quellensteuer von 20 Prozent auf Kapitalerträgen nicht akzeptieren. Diese
    gefährde das Eurobond-Geschäft (Geldanlagen in internationalen Anleihen) und Tausende von Arbeitsplätzen.
  • Grossbritannien droht mit dem Veto, wenn die EU beschliessen sollte, obligatorisch ein sogenanntes Folgerecht
    für Künstler einzuführen. Es handelt sich um einen Vergütungsanspruch für Künstler und bis 70 Jahre nach ihrem
    Tod auch für ihre Erben, wenn ein Kunstobjekt für mindestens 4800 Franken weiterverkauft wird. Dies gefährde
    den Londoner Kunstmarkt und führe zu einer Auslagerung des Auktionsgeschäfts nach New York und Genf (!).
    Ausserdem behindere die EU-Richtlinie das kreative Schaffen in der EU und fördere den wirtschaftlichen Raub-
    bau. [NZZ, 8.12.99]


Bizarres aus der EU-Zentrale

„Das Werbeverbot für Autos ist eine politische Spachtelmasse, um die faustgrossen Rostllöcher m EU-Karren zu kaschieren!“

1999 haben die EU-Kommissare folgende Vorschläge ausgearbeitet:

  • In einem ersten Schritt soll analog zur Zigaretten-Werbung auch bei der Auto-Werbung der Vermerk angebracht
    werden, dass Autofahren potentiell gefährlich und umweltschädlich sei.
  • In einem zweiten Schritt soll die Autowerbung in der EU völlig verboten werden.
  • Angestrebt werde, dass Autos mit einem Verbrauch über 2,0 Liter mit einem europäischen Produktionsstopp be-
    legt werden.
  • Bei Gebrauchtwagen soll im Heckfenster ein A4-grosser Kleber die Aussenwelt informieren, dass das Auto noch
    nicht verkauft sei und der interessierte Käufer wisse, dass z.B. seine Probefahrt gefährlich sei.
  • EU-Brüssel plant, Autobahnverbindungen zwischen deutschen Städten als City-Verbindungen zu deklarieren.
    Somit würden sie automatisch unter das City-Limit 80 bis 120 km/h fallen.

Das deutsche Magazin „Der Spiegel“ urteilte: „Szenen wie aus dem Tollhaus. Ein Denkmal der Sinnlosigkeit.“ [Setz- Frachtbrief, Nr. 13, Oktober 1999]


Umfrage: Euro ist schädlich

Eine Mehrheit von 57 Prozent der Deutschen meint, die Einführung des Euro bringe mehr Schaden als Nutzen (Emnid-Umfrage).[Bild-Zeitung, D, 6.11.99]

Umfrage zeigt „erschreckende“ Europa-Abneigung

Die Bundesbürger haben keine Lust auf die Vereinigten Staaten von Europa! Zwei Drittel könne sich nicht vorstellen, dass die Bundesrepublik in einem vereinten Europa aufgeht. Jeder zweite befürchtet die Zunahme des Sozialmiss- brauchs in der EU; 43 Prozent sehen ihren Arbeitsplatz durch die Vollendung des europäischen Binnenmarktes bedroht. Nur 15 Prozent glauben an die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Bildungssystems im europäischen Vergleich. Das ist das wichtigste Ergebnis einer Umfrage der WirtschaftsjuniorenDeutschland (Junge Unternehmer in Deutschland) bei rund 10‘000 Bundesbürgern.

Die Deutschen hätten Angst vor Arbeit in europäischen Nachbarländern. Zwar gab über die Hälfte an, eine Arbeitsstelle im Ausland als Alternative zur Arbeitslosigkeit im Inland zu sehen, aber konkret nach Ländern gefragt, werden im Durchschnitt nur 1-2 Länder genannt. Am beliebtesten sei die Schweiz, gefolgt von Österreich, sagte Bundesvor- sitzender Stefan Heidekampf bei der Präsentation der Ergebnisse in Berlin.

Angesichts von Währungsunion, Europäischem Binnenmarkt, Ratspräsidentschaft Deutschlands, Europawahlen und der Tatsache, dass bereits 60 Prozent der Gesetze auf europäischer Ebene beschlossen werden, sei das Ergebnis der Umfrage erschreckend, so Heidkamp.

[Magazin Wirtschaft der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart, Nr. 10/99]

 

Arbeitslosigkeit

Schweiz: Arbeitslosigkeit im August und September weiter gesunken

Der Rückgang der Arbeitslosigkeit erfolgte in allen Landesteilen und in sämtlichen Wirtschaftszweigen sowie in allen Altersgruppen:

Arbeitslosenquote:

Mai Juni Juli August Sept. Oktober November
2,7 % 2,6 % 2,5 %

 

2,4 % 2,3 % 2,3 % 2,4 %

86’328
Personen

[Quelle: Pressedokumentation "Die Lage auf dem Arbeitsmarkt September 1999", Bundesamt für Wirtschaft und Arbeit]


Beschäftigungszahl angestiegen

Im 2. Quartal stieg auch die Zahl der Beschäftigten weiter an und zwar auf 2'630'000. Es konnten innerhalb Jahresfrist rund 5'000 neue Vollzeitstellen und 22'000 Teilzeitstellen geschaffen werden. Auch die Unternehmen beurteilen die Beschäftigungsaussicht als positiv. 47 Prozent der befragten Unternehmen geben an, sie würden ihre Beschäftigungs- zahl erhöhen. 27 Prozent der Unternehmen beklagen aber einen Mangel an Fachpersonal. [Schweizerische Gewerbe- zeitung, 10.9.99].

Arbeitslosenquoten saisonbereinigt (%)

Gesamt: Männer und Frauen

  EU15 EUR11 B DK D GR E F IRL I L NL A P FIN S UK USA JAP
97.09 10.5 11.5 9.5 5.4 10.1 - 20.5 12.3 9.4 11.7 2.9 4.9 4.5 6.7 12.1 9.6 6.7 4.9 3.5
98.09 9.8 10.7 9.5 4.9 9.2 - 18.6 11.7 7.4 11.9 2.8 3.7 4.7 4.9 11.0 7.7 6.3 4.8 4.3
99.05 9.3 10.1 9.0 4.5 9.1 - 15.7 11.2 6.8 11.4 2.8 3.3 4.3 4.8 10.3 6.8 6.1 4.2 4.7
99.06 9.3 10.1 9.0 4.5 9.1 - 15.7 11.2 6.7 11.4 2.8 3.2 4.3 4.7 10.1 7.0 6.0 4.3 4.8
99.07 9.2 10.0 9.0 4.4 9.1 - 15.6 11.0 6.7 11.4 2.8 3.2 4.3 4.8 10.0 6.8 5.9 4.3 4.9
99.08 9.2 10.0 9.1 4.4 9.2 - 15.7 11.0 6.6 - 2.8 3.1 4.3 4.7 9.9 6.9 - 4.2 4.7
99.09 9.1 10.0 8.9 4.3 9.2 - 14.5 10.8 6.4 - 2.7 - 4.2 4.7 9.8 6.9 - 4.2 4.7


Unter 25 Jahren Männer und Frauen

  EU15 EUR11 B DK D GR E F IRL I L NL A P FIN S UK USA JAP
97.09 20.8 22.9 23.1 8.0 11.1 - 38.4 29.0 14.6 33.5 8.5 9.3 6.7 14.7 24.7 21.8 13.6 11.1 6.7
98.09 19.4 21.1 22.2 7.2 9.7 - 34.9 26.6 10.9 34.0 6.6 7.4 6.6 10.4 22.7 15.9 13.4 10.9 8.0
99.05 17.9 19.2 21.6 6.8 8.6 - 29.6 25.7 9.3 31.9 6.4 7.7 5.8 9.8 21.0 14.5 13.1 9.6 8.8
99.06 17.9 19.2 21.5 6.7 8.6 - 29.6 25.6 9.1 32.4 6.3 7.2 5.7 9.3 20.4 13.0 12.9 9.9 9.0


Wirtschaftsstandort Schweiz – Nach 7 Jahren EWR-Nein


Vor der EWR-Abstimmung wurde der Teufel an die Wand gemalt:

„Werkplatz Schweiz: Wegen EWR-Ablehnung demnächst geschlossen? Deshalb: EWR Ja“ Arbeitskreis Schweiz- Europa]

„Isolation würde den Standort Schweiz und dessen Wettbewerbsfähigkeit schwer belasten. Basler Arbeitsgruppe für Konjunkturforschung]

„Eine EWR-Ablehnung würde starke wirtschaftliche, soziale und politische Erschütterungen uslösen und zu einer Schwächung der Volkswirtschaft führen“ [Schweizer Handelskammer, Vorort]

„Nach fünf Jahren Alleingang würden wir aus wirtschaftlichen Gründen die EU auf den Knien bitten, uns um jeden Preis als Mitglied aufzunehmen.“ [Staatssekretär Blankart]

„Ohne EWR kann die Schweiz nicht überleben.“ [Kurt Illi, Verkehrsdirektor Stadt Luzern]


7 Jahre nach dieser Schwarzmalerei sieht die Realität völlig anders aus:

Sehr gute Noten von ausländischen Firmen für den Wirtschaftsstandort Schweiz

Die Zürcher Hochschule Winterthur ZHW und das Marktforschungsinstitut IPSO, Dübendorf, führte bei 300 Führungs- kräften von ebenso vielen kleineren und mittleren technologie-orientieren Unternehmen aus der ganzen Schweiz eine repräsentative Umfrage durch. Resultate:

  • 72 % der ausländischen Firmen in der Schweiz sehen ihre Erwartungen an die Schweiz voll erfüllt
  • 47 % der ausländischen Unternehmen räumen der Schweiz international einen Spitzenplatz ein.
  • 75 % beurteilten die Qualität der Arbeitskräfte als gut bis sehr gut.
  • Die Nichtmigliedschaft der Schweiz in der EU ist für erstaunlich wenig Firmen ein Handicap: Für 50 % ist dieser
    Tatbestand unwichtig. 24 % der ausländischen und 38 % der inländischen Unternehmer sehen darin ein Nachteil.
    Die Studie stellt fest, es erstaune, dass das Abseitsstehen der Schweiz kein wirklich entscheidender Standort-
    faktor darstelle.
  • In Bezug auf die künftige Entwicklung des Technologiestandortes Schweiz äusserten sich 76 % ziemlich bis
    sehr optimistisch.
  • Die Studie zieht das Fazit: „Standort Schweiz – insgesamt positiv, bei den ausländischen Firmen sehr positiv
    und immer optimistischer“.

[Medien-Info, SAP, Presseinformation 19.11.99, Hrsg. Wirtschaftsverband der Automation, Elektronik und Informatik, Bleicherweg 21, Postfach 5272, 8022 Zürich]


Es tut sich was in der EU-unabhängigen Schweiz...

Die Vorarlberger Nachrichten vom 11.11.99 berichten, im 3. Quartal 99 seien in der Schweiz 7'353 Firmen neu gegründet worden.


Schweizer Industrie weiter auf Expansionskurs:

Die Neue Zürcher Zeitung vom 2.12.99 schreibt:

„Die Expansion des schweizerischen Industriesektors beschleunigt sich weiter. Der vom Schweizerischen Verband für Materialwirtschaft und Einkauf (SVME) und von der Crédit Suisse auf Grund monatlicher Umfragen erhobene Purchasing Managers Index (PMI) hat im November mit 64,1% einen Rekordwert erreicht. Der Index verzeichnete damit zum achten Mal in Folge einen Anstieg, wie der SVME mitteilt. Im Oktober lag der Index bei einem revidierten Stand von 62,6%. Drei der acht Subindizes, nämlich jene für Produktion, Auftragsbestand und Einkaufsmengen, konnten einen Höchststand verbuchen. Namentlich auf Grund des gestiegenen Indexes für den Auftragsbestand wird auch für die kommenden Monate mit einer robusten Produktionstätigkeit gerechnet. Der PMI wird seit 1995 erhoben, wobei Werte über 50% auf eine Expansion und Werte unter 50% auf eine Kontraktion der Wirtschaft hinweisen. Das Bruttoinlandprodukt im 3. Quartal 1999: Beschleunigtes Wirtschaftswachstum

Im 3. Quartal 1999 nahm das reale Bruttoinlandprodukt (BIP) gegenüber dem Vorquartal um 2,4% zu (bereinigt von Saison- und Zufallseinflüssen, auf Jahresbasis hochgerechnete Veränderungsrate). Bei einer weiterhin die Konjunktur stützenden Konsumnachfrage führten die seit diesem Frühjahr wieder anziehende Nachfrage des Auslandes sowie der Umschwung in der Bauwirtschaft zu diesem höheren Wachstum. Das Niveau des Vorjahres wurde um 1,6% übertroffen. Der reale Konsum der privaten Haushalte legte, nach etwas moderaterer Entwicklung in der ersten Jahreshälfte, um 2,5% zu. Vor allem dank vermehrter Ausgaben für Verkehr und Kommunikation sowie Freizeit und Kultur stieg der Expansionsrhythmus des privaten Verbrauchs an. Die Käufe bei den übrigen Konsumrubriken erhöhten sich ebenfalls weiter. Die realen Bauinvestitionen stiegen gegenüber dem Vorquartal um 3,4% an. Sowohl der Hochbau (vor allem Wohnungsbau) als auch der Tiefbau verzeichneten Zunahmen, letzterer insbesondere dank der Inangriffnahme weiterer grosser Eisenbahnprojekte. Ein erneuter Zuwachs der realen Ausrüstungsinvestitionen (+3,1%) kam einzig wegen überdurchschnittlich hoher Flugzeug- und Nutzfahrzeugkäufe zustande. Die realen Ausfuhren von Waren und Diensten weiteten sich im 3. Quartal gegenüber dem Vorquartal um 8,2% aus. Sowohl die Exporte von Waren (+8,6%) wie auch von Dienstleistungen (+6,7), namentlich von Bankdienstleistungen, trugen zu  diesem Ergebnis bei. Lebhaft entwickelten sich wiederum die realen Einfuhren von Waren und Diensten (+13,7%). Der Preisindex des Bruttoinlandproduktes erhöhte sich im 3. Quartal innert Jahresfrist um 1,3%. Dieser im Vergleich zum 1. Halbjahr stärkeren Zunahme lagen anziehende Inlandpreise (privater Konsum +0,7%, Bauinvestitionen +1,6%) sowiegestiegene Exportpreise (+2,6%) zugrunde.

[Staatssekretariat für Wirtschaft seco, Pressemitteilung vom 09.12.1999]


Gute Noten für die Schweiz

Der Internationale Währungsfonds stellt fest, die Schweiz sei auf guten Weg. Der Wirtschaftsmotor laufe stetig, die Arbeitslosigkeit sei schnell gesunken und die Inflation auf tiefem Niveau. Das Wachstum werden sich in den nächsten Monaten beschleunigen und für 2000 sei mit einem Wachstum von 2 Prozent zu rechnen. [Tages-Anzeiger, 16.11.99]

 

Politstandort Schweiz

„Schweizer Aussenminister drängt sein Land in die EU und UNO“

So lautet der Titel der österreichischen Kuriers vom 22.11.99 einen Bericht über die Rede von Bundesrat Deiss anlässlich des Uster-Tages 1999.

Das Regierungsmitglied jammerte wiederum: „Ein UNO-Beitritt wäre für die Souveränität des Landes ein Gewinn, und der EU-Beitritt garantiert Einfluss in Europa“. Ausserdem sei die Schweiz öfter dort nicht präsent, wo Lösungen diskutiert und Entscheide getroffen werden.

UNO-Beitritt = Souveränitätsgewinn? Wo denn, wie denn? Grossartige Reden schwingen und vom Sicherheitsrat mittels Veto-Recht der Grossmächte desavouiert werden? Ein UNO-Beitritt heisst: noch mehr Zahlen und Schweigen. Schluss- punkt. Welche Lösungen diskutiert denn die EU, die schweizerische Probleme lösen sollen? Etwa die EU-Grün-Tisch-Massnahmen gegen die Arbeitslosigkeit, die Erhöhung der Steuern und Abgaben, die ewig verschleppte Demokrati- sierung der EU-Organe? Unglaubwürdig. Schlusspunkt.


Regierungsziele 2000: UNO, Solidaritätsstiftung, mehr Bundesräte

Am 13.12.99 hat Bundespräsidentin Dreifuss die bundesrätlichen Ziele für das Jahr 2000 vorgestellt: Der Bundesrat sei bestrebt, die instutionellen Mitwirkungsdefizite der schweizerischen Aussenpolitik zu beheben. Er wolle dort, wo wich- tige politische Entscheide getroffen werden, gestaltend mitwirken.

  • Ziel 1: Im 2. Halbjahr 2000 Botschaft über den Beitritt der Schweiz zur UNO. Gleichzeitig will die Regierung ein
    Informationskonzept – sprich Propaganda-Walze –  verabschieden. Ziel der bundesrätlichen Öffentlichkeitsarbeit
    sei die Schaffung einer substantiellen Grundlage für eine nuancierte Beitrittsdebatte in der Bevölkerung! (???)
  • Ziel 2: Im Jahre 2000 wird die parlamentarische Debatte über die EU-Beitrittsinitiative „Ja zu Europa“ und des
    bundesrätlichen Gegenvorschlag stattfinden.
  • Ziel 17: Die Regierung will die Solidaritätsstiftung so bald als möglich realisieren. Der Solidaritätsgedanke bedür-
    fe u.a. gegenüber dem Ausland einer Bekräftigung. Der Bundesrat will die dafür die Rechtsgrundlagen weiterbe-
    arbeiten und im Frühjahr 2000 das Währungs- und Zahlungsmittelgesetz in Kraft setzen und auf Verordnungsstu-
    fe die notwendigen Anpassungen vornehmen, damit die Nationalbank mit den Goldverkäufen beginnen kann. Da-
    bei hoffe er, dass gegen das Gesetz kein Referendum ergriffen werde.
  • Die Staatsleitungsreform soll die Einheit und Führungsaufgabe des Bundesrates stärken. Kurz: die Exekutive
    soll personell (zusätzliche Bundesräte und „Minister“) und bezüglich Kompetenzen ausgebaut werden. [Die Zie-
    le des Bundesrates 2000, Bundesratsbeschluss vom 1.12.99, Bundeskanzlei]


Einmal mehr: auch bei den Regierungszielen 2000 politisiert der Bundesrat in seinem Integrations-, Öffnungs- und Anschlusswahn am Volk vorbei: Ziel 1 ist selbstverständlich der UNO-Beitritt – als Wegbereiter für die EU-Integration. Mit Ziel 2 (Gegenvorschlag zur Volksinitiative „Ja zu Europa“) will sich der Bundesrat vom Parlament den Auftrag geben lassen, EU-Beitrittsverhandlungen aufzunehmen. Und bei Ziel 3 träumt unsere Landesväter bzw. – Mütter wohl von grösseren Kontingenten von Schweizer Soldaten, der der Welt endlich den Frieden bringen.

Von wirklichen Prioritäten – Wahrung der Unabhängigkeit, Stopp dem Asylmissbrauch, Steuersenkungen zugunsten des Standortes Schweiz – hält die Regierung offensichtlich wenig bis nichts. Zum Glück hat der Bundesrat insgesamt 24 (!) Ziele formuliert, sodass er wohl keines – auch kein falsches – erreichen wird. Und zum Glück gibt es die AUNS.


Dringender Aufruf!

Haben Sie die „Gold-Initiative“ schon unterschrieben? Unterschriftenbogen weitergegeben?

Diesem Versand liegt eine Unterschriftenkarte für die „Gold-Initiative“ bei. Die Volksinitiative verlangt, dass Volksvermögen beim Schweizer Volk bleibt! Der Gewinn aus verkauften Goldreserven der Nationalbank sollen dem AHV-Fonds zugeführt erden und nicht einer Solidaritätsstiftung, welche nur neuen Erpressungen aus dem Ausland den Weg ebnet.


Bundesrat Villiger widersteht – vorläufig – dem EU-Druck

„Ein angemessener Schutz der Vertraulichkeit der Privatsphäre der Bankkunden ist nicht nur legitim, sondern not- wendig. Dazu kommt, dass das Bankgeheimnis in unserem Volk tief verankert ist. Ich hielte seine Abschaffung innenpolitisch sogar dann für undenkbar, wenn wir es unter aussenpolitischen Druck abschaffen wollten. Deshalb steht das Bankgeheimnis nicht zur Disposition.“

„An sich habe ich für die Sorgen der Finanzminister der EU Verständnis. Meine Sorgen sind ja ähnliche. Trotzdem wundert mich das Credo der Einschränkung des Steuerwettbewerbs doch ein wenig. Immer wieder spüren wir, dass der Wettbewerb etwas vom Entscheidendsten ist, was die EU im Binnenmarkt durchsetzen will. Seltsamerweise wird das gleiche Gedankengut nicht auf das Preis-Leistungs-Verhältnis beim Staat und damit auf die Steuern übertragen. Es besteht die Versuchung, [...] ein Fiskalkartell anzustreben. Mit dieser Tendenz läuft Europa Gefahr, die Fiskalquote hochzuhalten und den Standort Europa gegenüber anderen Standorten zu schwächen.“ [Referat anlässlich des Seminars Swiss plus – financial excellence, einer Präsentation des Schweizer Finanzplatzes, 14.9.1999]

Unsere Unterstützung haben Sie, Herr Bundesrat Villiger!


Schaffung eines Souveränitätsbüros

Im letzten Grauen Brief orientieren wir über eine vom AUNS-Geschäftsführer Nationalrat Hans Fehr eingereichte Motion, die den Bundesrat veranlassen solle, die finanziellen Aufwendungen für das Integrationsbüro EDA/EVD auf die Hälfte zu reduzieren und Beiträge in gleicher Höhe einem zu schaffenden Souveränitätsbüro zuzuführen oder Institutionen zukommen zu lassen, die sich für die Souveränität und die Unabhängigkeit unseres Landes einsetzen. Der Bundesrat hat nun reagiert, erwartungsgemäss für die Propaganda-Zentrale:

Stellungnahme des Bundesrates

Das seit 1961 bestehend Integrationsbüro EDA / EVD ist diejenige Amtsstelle des Bundes, welche – in enger Zusam- menarbeit mit praktisch allen Amtsstellen der Bundesverwaltung und in engem Kontakt mit vielen kantonalen Stellen – die vom Bundesrat geführte Politik im Verhältnis zur Europäischen Union vorbereitet und umsetzt. Das Integrationsbüro ist personell bedarfsgerecht ausgerüstet (zur Zeit zählt es 26 Personen, davon 7 Sekretariatsmitarbeiter/innen). Die Finanzierung der entsprechenden Tätigkeiten erfolgt über das normale Budget der Bundesverwaltung. Angesichts der zahlreichen vertraglichen Beziehungen zwischen der Schweiz und der Europäischen Union und den laufenden Entwicklungen der EU ist diese Amtsstelle für die durch den Bundesrat zu besorgende Interessenwahrung unseres Landes im Verhältnis zur EU unerlässlich. Dies hat sich beispielsweise durch die Mitverantwortung des Integrations- büros bei der Verhandlungsführung während den kürzlich erfolgreich abgeschlossenen sektoriellen Verhandlungen mit der EU gezeigt.

Wie alle anderen Amtsstellen des Bundes ist auch das Integrationsbüro an den verfassungsmässigen Auftrag des Bundesrates gebunden, die Unabhängigkeit der Schweiz zu wahren und es setzt diese Verpflichtung in seinem Tätigkeitsbereich um.

Für die Errichtung eines speziellen „Souveränitätsbüros“, wie vom Motionär verlangt, besteht daher keine Notwendigkeit.

Erklärung des Bundesrates: Der Bundesrat beantragt, die Motion abzulehnen.

Haben wir richtig gehört? Die „Souveränitätsabbauer vom Dienst“ sind also an den verfassungsmässigen Auftrag der Regierung gebunden, die Unabhängigkeit der Schweiz zu wahren. Und das Integrationsbüro setzt diese Verpflichtung in seinem Tätigkeitsbereich um.

Dem Strafgesetzbuch entnehmen wir Artikel 266: „Wer eine Handlung vornimmt, die darauf gerichtet ist, die Unab- hängigkeit der Eidgenossenschaft zu verletzen oder zu gefährden, eine die Unabhängigkeit der Eidgenossenschaft gefährdende Einmischung einer fremden Macht in die Angelegenheiten der Eidgenossen herbeizuführen, wird mit Zuchthaus oder mit Gefängnis von einem bis zu fünf Jahren bestraft!


Diplomat auf Abwegen

Im Rahmen einer öffentlichen Tagung des Amtes für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich (AWA) und des Europa-Institutes Zürich vom 3.12.99 zum Thema „Abkommen über die Personenfreizügigkeit der Schweiz mit der EU“ im Kongresshaus Zürich hat Dr. Michael Ambühl, bisher Botschaftsrat der Schweizerischen Mission in Brüssel und ab Januar 2000 Chef des Integrationsbüros EDA / EVD, die Aussage gemacht, gegen die bilateralen Verträge seien
lediglich „einige Splitterparteien, Öko-Fundis und auch einige Holocaust-Leugner“.

Nationalrat Hans Fehr stellte anlässlisch der nationalrätlichen Fragestunde vom 13.12.99 folgende Frage:

„Ist der Bundesrat auch der Meinung, dass eine derart schwerwiegende Entgleisung eines designierten Chefbeamten unhaltbar und skandalös ist und dass dieser zur Rechenschaft gezogen werden muss? Welche Massnahmen wird der Bundesrat treffen?“

Die Antwort des Bundesrates (Orginal-Text auf Französisch):

Im Rahmen einer Konferenz zu den bilateralen Verträgen zwischen der Schweiz und der EU hat der Botschaftsrat Herr Michael Ambühl erklärt, dass das Parlament (SR : 45 :0, NR : 183/11, die politischen und wirtschaftlichen Kreise, sowie die Dachverbände diese Verträge voll und ganz unterstützen. Er hat dabei erwähnt, dass das Referendum gegen dieser Verträge eindeutig von Randparteien und offenbar auch von Holocaust-Verneinern ergriffen worden ist. Letztere Bemer- kung, welche er aus persönlicher Sicht gemacht hat, ist lediglich darauf zurückzuführen, dass in einer der Referendums- gruppen sich ein Mitglied wegen seiner revisionistischen Ansichten vor Gericht verantworten musste.

Diese Bemerkung bezog sich also nur auf diesen Spezialfall und betraf in keiner Weise weder die anderen Initianten des Referendums, noch jene, welche die Verträge aus anderweitigen Gründen verwerfen. Es versteht sich von selbst, dass der Bundesrat trotz dieser Nuancierung diese Art und Weise, das Problem anzupacken, keineswegs teilt.

Da der Referent sich um eine präzise Information bemühte, hat er zu einer Formulierung gegriffen, welche irritieren mag, aber es lag auf keinen Fall in seiner Absicht, irgend jemanden zu kränken.

Der Bundesrat sieht keinen Grund, Massnahmen zu treffen.

Unsere Antwort:

War doch wohl klar, dass die Regierung ihre Diplomaten deckt, welche tatkräftig mithelfen, den EU-Beitritt vorzu- bereiten. Trotzdem bleibt die Angelegenheit skandalös. Herr Ambühl muss offenbar das Wesen der Direkten Demokratie noch begreifen und lernen: in der Schweiz hat das Volk „Rechte“ – mehr als in EU-Staaten. Und hat eigentlich ein Diplomat das Gesamtinteresse der Schweiz zu vertreten oder nur Einzelinteressen? Braucht Herr Ambühl Nachilfe- stunden?

 

Wussten Sie...

Was unsere Bundesrätinnen und Bundesräte verdienen

„Was verdienen unsere Bundesräte wirklich?“ fragte die Journalistin Renate Hotz aus Gümligen BE im Auftrag der „Glückspost“ und kam für 1999 auf einen steuerpflichtigen Lohn von 360'882 Franken plus eine nicht steuerpflichtige Repräsentationszulage von 30'000 Franken. Ausserdem steht jeder Bundesrätin und jedem Bundesrat ein Dienstwagen mit Chauffeur zur Verfügung. Dazu kommen gratis ein SBB-General-Abo 1. Klasse. Mit der Swissair fliegen die Bundesräte und ihre Ehepartner gratis. Für berufliche Reisen können sie Helis und Flugzeuge des Bundes benützen.

Auch die privaten Telephonrechnungen unserer Bundesräte sowie TV- und Radiokonzessionen übernimmt der Bund. Ausserdem erhalten alle Bundesräte einen Zweitwagen für maximal 100'000 Franken. Kaspar Villiger hat einen Mercedes, Ruth Dreifuss einen Saab, Adolf Ogi, Ruth Metzler und Moritz Leuenberger fahren Audi. Pascal Couchepin bevorzugt die Marke BMW und Joseph Deiss fährt Cadillac. [Berner Zeitung, 10.12.99]

Nicht schlecht! Warum nicht noch etwas UNO- und EU-Zulagen? Wer viel hat, will immer noch mehr...

 

Bürgerinnen und Bürger haben das Wort


Weltoffen, auf solidem Fundament

Die National- und Ständeratswahlen 1999 sind vorüber, es herrscht Bedauern, Staunen und Freude. In den Partei- zentralen ist man dabei, neue Allianzen zu kleben (schmieden tönt ein bisschen zu solide und dauerhaft). Nun, das Resultat hätte noch deutlicher zugunsten der SVP ausfallen können. Warum?

Neben dem Asylantenproblem, wo die SVP ebenfalls tonangebend war, spielte für viele bestimmt folgender Punkt eine Rolle: Drei Regierungsparteien haben einen mehr oder weniger eiligen Beitritt zur EU auf ihre Fahnen geschrieben, eine tritt klar und eindeutig weiterhin für die politische Unabhängigkeit der Schweiz ein. Und die Bevölkerung? Gemäss Meinungsumfragen steht rund die Hälfte davon einem Beitritt aus welchen Gründen auch immer ablehnend gegenüber. Dass der Urnengänger diejenigen Leute wählt, die in Hauptfragen die gleiche Meinung vertreten wie er selbst, ist nur logisch. So teilen sich drei Parteien in die eine Hälfte der Wähler, während die vierte aus der andern Hälfte des Reser- voirs schöpfen kann. Wobei der SVP-Wähler als rechtskonservativ, hinterwäldlerisch, ewiggestrig usw. etikettiert
wird. Ist er das wirklich? Da gibt es den weltweit handelnden Autoimporteur, den Besitzer von Fabrikbetrieben in mehreren Ländern, den global ausgerichteten Exporteur von Spezialmaschinen usw. Alles Hinterwäldler? Der Schrei- bende selbst, der sich mit den Einheimischen in acht EU-Ländern in deren Landessprache unterhält, mit Bekannten und Verwandten in der ganzen Welt, in weltweit tätigen Unternehmen und in Übersee beschäftigt, steht einem Beitritt zur EU ebenfalls ablehnend gegenüber und nimmt darum den Wahlzettel der SVP zur Hand. Hinterwäldler? Gerade umgekehrt, denn um weltoffen zu sein, braucht man ein solides Fundament, um darauf stehen zu können, und dieses Fundament heisst Selbstverantwortung, heisst Heimat, heisst Unabhängigkeit! Wie willst du als Bergsteiger einem Freund die Hand zur Hilfe reichen, wenn du selbst auf wackligem Untergrund stehst?

Als Betriebswirtschafter wundere ich mich über die FDP mit einem Grossteil von Unternehmern in ihren Reihen: gibt man so leicht die eigene Unabhängigkeit, Freiheit und Verantwortung ab zugunsten einer Bürokratie in Brüssel, legt über die bisherigen Entscheidungswege noch eine zusätzliche Beamtenschicht, macht alles komplizierter, schwerfälliger und sich selbst zum Hampelmann? Ist das die Zukunft der freisinnigen Politik?

Rudolf Schiesser (Thun), Leserbrief in der Neuen Zürcher Zeitung vom 30.11.99


Nachlese zu den Wahlen vom 24. Oktober 1999 - Stimmungsmache hat sich nicht gelohnt!

Mit billigster Stimmungsmache haben wenige Tage vor den National- und Ständeratswahlen  die „vereinigten“ Expo- nenten von FDP, CVP und SP versucht, die SVP in den Morast der Revisionisten und des Rechtsextremismus zu stossen. In Zusammenhang mit dieser Stimmungsmache übelster Art wird immer wieder die AUNS erwähnt. Seit dem Sektenartikel in der RZ (Regionalzeitung) werden die AUNS und ihre Mitglieder in den Sog dieser revisionären Anti-Blocher-Bearbeitungsmethode ungerechterweise miteinbezogen.

Deshalb gibt die AUNS Oberwallis im Sinne einer öffentlichen Erklärung bekannt:

  • Wir stehen nach wie vor zu unserem Präsidenten und Nationalrat Christoph Blocher.
  • Mit ihm distanzieren wir uns von allen pseudointellektuellen Zirkeln und Publikationen, die insbesondere den Ho-
    locaust verleugnen.
  • Wir verlangen, dass das Antirassismusgesetz in aller Härte anzuwenden ist, auch gegen die, die in Hetzkam-
    pagnen unsere Aktion für Freiheit, Unabhängigkeit und Neutralität (AUNS) in teils menschenrechtswidriger Wei-
    se in der Öffentlichkeit diffamieren.
  • Wir verlangen keine neue „Fichenära“, jedoch sollen alle Parteien (d.h. ihre Mitglieder) auf rechtswidriges und
    revisionistisches Gedankengut durchleuchtet werden, denn es gibt diese Sorte von Rechtsverdrehern, Leugnern
    und Sophisten in allen Parteien.
  • Dennoch sind wir überzeugt, dass es weiterhin klare Worte und direkte Stellungnahmen dringend braucht, u.a.
    in Bezug auf:
    - die Überfremdung unserer Schweiz durch das ungelöste Asylantenproblem;
    - die negativen Auswirkungen einer zu oberflächlich betriebenen Multi-Kulti-Propaganda;
    - die Erpressungstaktik (WJC gegen Banken), von der sich unser Bundesrat und die
      meisten Politiker einschüchtern lassen;
    - die zu einseitig durchleuchtete Geschichtsbetrachtung durch „Politführungsgardeberater“ linker Provenienz.

André Zentrigen, AUNS Oberwallis, Walliser Bote, 28. Oktober 1999


AUNS-Mitglieder haben Vorrang

In der Gemeinde Remetschwil AG soll im nächsten Jahr im Gebiet Bolismatt eine neue Überbauung mit 5 Mehrfamilien- häusern und insgesamt 33 Eigentumswohnungen entstehen. Obwohl eine Baubewilligung im Moment nicht erteilt werden kann, ist im „Blick“ ein auffälliges Wohnungsinserat erschienen. Der Verkäufer gibt auch klar zu verstehen, was für Bewohner er sich in der neuen Überbauung vorstellt:“ SVP- und AUNS-Mitglieder erhalten den Vorzug“ heisst es fettgedruckt in der Annonce. Für entsprechende Anmeldungen ist eine Postfachadresse in Bellikon angegeben. Urheber des Inserates ist der Belliker A. S. Das Baugesuch für die 33 Eigentumswohnungen ist von einer GmbH mit Sitz in Baden auf der Gemeine Remetschwil eingereicht worden.

Die Sache hat aber vorläufig noch einen Haken: Das Baugesuch konnte noch nicht ausgeschrieben werden, weil zuerst ein rechtskräftiger Gestaltungsplan für das Gebiet Bolismatt vorliegen muss. Der Gestaltungsplan liegt gemäss Auskunft von Gemeindeschreiber Roland Mürset im Moment zur Vorprüfung beim Kanton. Nachher erfolgt das Auflageverfahren mit Einsprachemöglichkeit. Erst wenn der Gestaltungsplan vom Regierungsrat abgesegnet und damit rechtskräftig ist, kann auch ein entsprechendes Baugesuch abschliessend behandelt werden. Möglich wäre allenfalls die gleichzeitige Auflegung von Gestaltungsplan und Baugesuch. Der Fahrplan für die 33 Eigentumswohnungen im Jahr 2000 ist jedenfalls kaum einzuhalten. Daran dürfte auch nicht viel ändern, wenn man AUNS-Mitglied ist. [Aargauer Zeitung,
26.10.99]

AUNS-Mitglieder, die sich aktiv einsetzen für die Unabhängigkeit und die Neutralität unseres Landes, sollen auch anständig wohnen dürfen – das hat sich wohl der Urheber des Inserates mit einem gewissen Recht gesagt.

Auch wenn er alle Nicht AUNS-Mitglieder ausschliesst, dürfte noch kein Verstoss gegen das Antirassismusgesetz sein, weil diese sehr unterschiedliche Personengruppe keine Rasse ist.

 

Die AUNS ist in den nächsten Jahren besonders gefordert

(Stand Dezember 1999)

1999 / 2000 Unterschriftensammlung zur Unterstützung der beiden Volksinitiativen „gegen Asylrechtsmissbrauch“ und „Überschüssige Goldreserven in den AHV-Fonds (Goldinitiative)“
   
2000 Ergreifung des Referendums gegen die Änderung des Militärgesetzes (würde den Einsatz von Schweizer Soldaten im Ausland legitimieren und somit gegen die Neutralität verstossen)
   
2000 / 2001 Volksabstimmung über die Änderung des Militär-Gesetzes
   
2. Hälfte 2000 Volksabstimmung über die Armee-Halbierungsinitiative der Linken als 1. Schritt zur Armeeabschaffung
   
2000 oder 2001 Volksabstimmung über die Volksinitiative„Ja zu Europa“, welche verlangt, dass der Bundesrat „ohne Verzug“ Beitrittsverhandlungen mit der EU aufnimmt
   
2002 Volksabstimmung über die neue ArmeeabschaffungsInitiative und die Volksinitative „für einen zivilen Friedensdienst“
   
Ab 2000 Volksabstimmung über den Beitritt der Schweiz zur politischen UNO
   
2002 Volksabstimmung über die Reform der Volksrechte (Revision der Bundesverfassung, 2. Paket)
   
Ab 2001 Volksabstimmung über die Volksinitiativen „gegen Asylrechtsmissbrauch“ und „Überschüssige Goldreserven in den AHV-Fonds (Gold initiative)“